Musik

Claus Angerbauer: in Sachen Musik - mit Blues, Folk und Rock - unterwegs seit über 40 Jahren; Solo, mit Bands und verschiedenen anderen Musikprojekten, zuletzt auch "on the road" mit der Bürgermeisterband "Doktor Schiwagu".

In allen Kritiken wurde bis heute vor allem die einzigartige Qualität, Ausdruckskraft und Emotionalität dieser aussergewöhnlichen Stimme, verbunden mit ausgefeilter und virtuoser Gitarrentechnik, gelobt.

"Nach den Programmen "Wie schön Euch nicht zu sehen", "Blindes Verdauen" und "der Seher" ist "das Ohr isst mit" mein viertes Programm dieser Art, in dem neben meiner Musik meine ganz speziellen Erfahrungen als Mensch mit Handicap höchst humorvoll vorgetragen werden.

Seit meiner Erblindung bin ich zum Thema Inklusion ständig unterwegs und versuche mit vielseitig gestalteter Öffentlichkeitsarbeit darauf hinzuweisen, wie wichtig es ist, die Integration von Menschen mit Handicap weiter voran zu treiben.
Meine Musik verkörpere ich in meinen Programmen mit allergrößter Leidenschaft, die humoristische Aufarbeitung vieler meiner Erlebnisse als Blinder sollen zeigen, wie bereichernd, erfrischend engagiert und lebensbejahend ein Leben mit Handicap sein kann."

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Claus mit Christina Jesinghaus

The Travelling D´s (Peter Gram, Harry Gulden, Murat Yimez und Claus Angerbauer)

Claus Angerbauer Solo

Claus Angerbauer Kabarett

 

 


Sensibles Ohr f�r Texte und Originaln�he Angerbauer zu Gast im "Raabe's" VON FREIA OLIV Steinebach�� Die Stimme rollt rauchig. Die Zoten sind mindestens genauso herb wie die Lieder. Trotzdem kuscheln sich die Paare im "Raabe's" in Steinebach zusammen und erfreuen sich mehrere Generationen der Worte und Weisen. Claus Angerbauer hat seinen Stil mit sehr popul�ren Rockballaden und sehr gemeinen Bemerkungen gefunden. Zwischen derb bayerisch und breit amerikanisch angesiedelt, kann der We�linger ein (Stamm-)Publikum gewinnen, das locker unterhalten werden will. Dass der Gitarrist dabei kr�ftig zupackt, erleichtert das Zur�cklehnen ungemein. "Extrem- Couching" f�r die Zuh�rer also? Daf�r wird zu heftig ger�ttelt. Jugendkult mit "silikongeschw�ngerten Br�sten" und Bob Dylan als Mahnmal des Zeitgeistes (Times are a-changing) sind eine der Kapriolen, die Angerbauer schl�gt. Der blinde Musiker hat aber nicht nur ein sensibles Ohr f�r Texte und Originaln�he, sondern auch f�r seine Umwelt. Die "rustikale Abteilung Bodenverdichter" erkennt er sofort unter den Joggern, mit einer satten Portion Humor rettet er sich aus der Fitnessflut, aus der Walker-Formel-Eins und aus der nachwuchsarmen FKK-Generation. Denn Angerbauer hat auf seine Weise beschlossen, jung zu bleiben: Dauerbrenner statt Mode, Cat Stevens statt neue Wildheit. Die Freiheit winkt noch immer vom Zug nach New Orleans. "Nur Blinde haben echte Visionen - da bin ich mit George Bush einig." Nur Angerbauer kann sich diese gewaltige Portion Sarkasmus leisten. Feinbesaitet darf da keiner sein. Auch instrumental bleibt er, abgesehen von ein paar schr�gen Pickings, beim Countrycharakter. Er l�stert �ber die Bonsai-Robbie-Williams der Superstars ab und verl�sst sich lieber auf sichere Erfolge. American Pie, Heart of Gold, Redemption Song. Seine eigenen Lieder liegen genau auf dieser Linie: beste Balladentradition.

Mit den Ohren die Augen �ffnen Der blinde Musiker Claus Angerbauer begeistert mit Lebensfreude und Retro-Rock � Anzing� Claus Angerbauer braucht seine hellbraune Gitarre und einen Holzboden. So einen wie in der kleinen Weinbeisser-Stube, auf den er mit den Zehen klopfen und den Rhythmus halten kann. Er schweigt, nicht zur Begr��ung kurz in die Runde, schl�gt in die Gitarre und legt los mit Dylan-verd�chtigem Akustik-Retro-Rock: Kratzige Stimme, zugekniffene Augen, den Kopf leicht nach vorne gebeugt. Wie eine Mischung aus Jerry Lee Lewis und einem lebenden Fragezeichen h�ngt er an seinem Instrument. Umso �berraschender, wie unbeschwert, leichtf��ig und spielfreudig Angerbauer, blinder Singer und Songwriter aus dem M�nchener Westen, mit "Open Up Your Eyes" beginnt. Zynisch? Nein! Augen kann man auch mit den Ohren aufmachen, ist die These, die er gleich mehrmals am Abend besingt. Ab und zu greift er zur Mundharmonika, bl�st eine kurze Melodie, kneift dann wieder die Augen zu und singt mit dem Klang zwischen Rachenkrebs und rostigen Sargn�geln weiter. So ist er, und so m�gen ihn seine Zuh�rer im Weinbeisser. Angerbauer singt von Ellbogenwelten, von fadenscheinigen Alibis, vom Ritt gegen den Wind und davon, wovon er tr�umt und was er ist. "Yes I'm free" singt er lauthals heraus. An Lebensfreude mangelt es ihm wahrlich nicht, an musikalischem K�nnen ebenso wenig. Das wundert wenig: Kommt er vom Spazierengehen heim, setze er sich auf die Couch und schreibe Lieder, erz�hlt er. Bei "On my Way to Hollywood" bekommt George Bush zuerst lyrisch die Breitseite ab und nach dem Lied wird auch noch mit einem kurzen Witz die Abneigung vor dem Herrn aus Texas klar gestellt. Wo denn bittesch�n der Unterschied zwischen Gott und dem US-Pr�sidenten liege, will Angerbauer wissen. "Gott wei�, dass er nicht George Bush ist!" Angerbauer ist allein auf der nicht einmal zwei Quadratmeter-B�hne, aber nicht leise und alles andere als einschl�fernd. Unweigerlich m�chte man ihn auch nach eineinhalb Stunden noch drau�en an ein Lagerfeuer in den Schnee setzen und sagen: "Spiel noch ein bisschen." Weinbeisser-Hausmeister Conny Hoffmann w�rde den Wein bringen und ein bisschen von seinem S�dtiroler Speck, Rudi Zapf seinen Hocker mitnehmen, die F��e �bereinander schlagen und sagen: "Schee is'." THORSTEN RIENTH �

Optimismus ungetr�bt Angerbauer w�rzt Musik mit rauer Stimme VON FREIA OLIV We�ling�� Kein anderer d�rfte solche Zoten bringen. Kein anderer d�rfte so sozial unkorrekte Behindertenwitze rei�en. Claus Angerbauer ist heftig, fast schon makaber. Doch wer selbst seit Jahren blind ist, erlebt die Welt ganz anders. Der schwarze Humor des We�lingers, der am Samstag im Pfarrstadel in We�ling ein Heimspiel hatte, ist auch gekennzeichnet von einem nicht niederzub�gelnden Optimismus. Und so vermitteln die Musik und die kabarettistischen Einlagen des We�lingers vor allem Energie und Spa� vor einem durchaus engagierten Hintergrund. Weil die Behinderten-Schiene seit dem Grand-Prix-Fiasko der blinden S�ngerin Corinna May im Jahr 2003 nicht mehr zieht, hat Claus Angerbauer laut eigener Aussage zwar so langsam seine Superstar-Avancen aufgegeben. Am Samstag im We�linger Pfarrstadel aber sonnte er sich trotzdem im Lichte des Ruhms. Er spielte nahezu perfekt, was seine Generation auch mitgepr�gt hat - Bob Dylan, Neil Young, Pink Floyd, Cat Stevens. Die Liedermacher-Songs, der Blues, die Sehnsucht der Hippie-Bewegung sind bei dem 50-J�hrigen in Fleisch und Blut �bergegangen. Er w�rzt seine Interpretation mit einer rauen, tiefen Stimme, die nur ganz selten einer sanften, balladesken Interpretation weicht. Viel Kraft steckt in den Titeln, die so auch nach Jahrzehnten ihre Bedeutung und ihre Intensit�t behalten. Das "Extrem Couching" hat sich bei Angerbauer also durchaus bezahlt gemacht: In Sachen Gitarre spielen kann ihm so schnell keiner was vormachen. Zwei seiner Sch�ler, Martina Pollinger und Manuel Friedel, hat er ins Programm integriert, das er mit leichtem Picking, mit gewaltigen Strums ausreizt. Kein Wunder: Schlie�lich hat Angerbauer schon als Jugendlicher mit Holzlatten, Nylonschnur und dem Klopfsauger als Mikro vor dem Spiegel den rechten Rock ge�bt. So manche Eigenkomposition ist inzwischen ganz in der Tradition der Bluesbarden zustande gekommen. Selten ist Angerbauer boshaft, er am�siert sich meist �ber sich selbst und die Moden der Mitmenschen. Begegnungen mit den rustikalen Vertretern des Dauerlaufgeschwaders am See zeichnet er von der akustischen Warte aus nach. Genauso wie massive Verwirrungen durch Handy-T�ne. Es sind teils derb bayerische Gedankenimpuls, die man so bekommt. K�nftig wird man sich wohl �berlegen, ob man mit Campingstuhl zu Katastrophentourismus ausr�ckt und die Herzdruckmassage mit rhythmischem Klatschen unterst�tzt.

Ver�nderte Sichtweise Claus Angerbauers Solokonzert im Raabe Steinebach� Gerappelt voll war es am Donnerstag in Raabes Wirtshaus in Steinebach. Der Anlass: Gitarrist und S�nger Claus Angerbauer aus We�ling gab quasi ein Heimspiel. Doch wer die gro�e Zustimmung des Publikums nur dem Umstand zuschreiben wollte, hier werde einem Nachbarn applaudiert, der irrte. Angerbauer hat Wohlwollen beileibe nicht n�tig. Nach dem ersten Song schon war er au�er Atem - er gehe jetzt eben auch schon auf die 50 zu, sagte Angerbauer leicht ironisch - doch die Atemlosigkeit war wohl eher eine Koketterie, denn der Musiker hat, das bewies der Abend, einen langen Atem. Interessanterweise war es im Steinebacher der zweite Abend in Folge mit einem Solokonzert. Doch der Gegensatz zwischen Christina Lux und Claus Angerbauer k�nnte gr��er nicht sein. Die beiden geh�ren in ganz signifikanter Weise verschiedenen Generationen an - das Alter spielt dabei die kleiner Rolle, denn wer Musik macht, ist und bleibt in der Regel jung dabei. Aber die stilistische Ausrichtung verr�t manches �ber die Pr�gungen, die ein Musiker im Laufe seiner Lebenszeit aus erster Hand erhalten hat. Wo die S�ngerin Lux mit ausgefeilten stimmlichen Mitteln und Ausfl�gen in viele Stile �berzeugen konnte, setzt Angerbauer ganz auf die Tradition der Singer-Songwriter aus den Zeiten von Flower Power und Studentenbewegung mit Ikonen wie Cat Stevens oder Neil Young. Angerbauer beherrscht sein Handwerk souver�n. Seine gesungenen Erz�hlungen, mal Songs der ber�hmten Kollegen, mal Eigenkompositionen, sind stilistisch und von der Originalit�t her betrachtet, absolut h�renswert. Aber vielleicht muss man schlicht ein gewisses Alter erreicht haben, um solche Musik wirklich zu verstehen. Dann hat man die emotionalen Schnittstellen, die aus dieser Musik einen Ausflug in alte Zeiten, einen Rausch des Assoziativen machen. Zur Musik gesellten sich die fast schon kabarettistischen Zwischentexte. Vor rund einem Jahrzehnt erblindete Claus Angerbauer. Doch aus diesem Umstand leitet er keine Lebensbew�ltigungsformeln ab. Er hat schlicht seine Sichtweise der Dinge ver�ndert - jawohl: Sichtweise, denn die h�ngt nicht nur vom Augenlicht ab. ANDR� KRELLMANN

Mit Neil Young auf cremefarbenem Sofa Ehrlich ung gut: Claus Angerbauer solo VON ANDREAS BRETTING We�ling�� Claus Angerbauer solo: Dazu f�llte sich dieser Tage der We�linger Pfarrstadel mit ungewohntem Publikum. Jeans und Westernhemden dominierten die Szene, als der Rock-Barde auf einem cremefarbenem Sofa Platz nahm. F�r die rund 50 Zuh�rer inszenierte der We�linger Musiker Siebziger-Jahre Stimmung pur. Nur mit einer verst�rkten Akustik-Gitarre bewaffnet, brachte er Cat Stevens, Crosby, Stills & Nash und zahlreiche Eigenkompositionen zu Geh�r. Das erstmals aufgef�hrte Solo-Programm st�tzte sich stark auf eigene Balladen. Gro�e Wirkung zeigten die von einem trockenen Blues gepr�gten Zeilen von "Obsession" und "Born just on the Road". Dazwischen ein aktueller Cover-Song ("Your life is now") und eine bissige Anekdote �ber die Jogger am See - schon war das Publikum ganz und gar f�r Claus Angerbauer eingenommen. Das dritte Element des Abends mussten nat�rlich die Ohrw�rmer sein. Ob "Put the load right on me" oder "Here comes the sun" - ganz selbstverst�ndlich und ungek�nstelt traf Claus Angerbauer die Stimmung der Zeit zwischen Hippies und Dallas. "Keep on searching for a heart of gold" klang mit der umgeschnallten Mundharmonika ganz so, als habe Neil Young pers�nlich in We�ling hereingeschmeckt. F�r das echte "Feeling" sorgte nicht nur das Gitarrenspiel, sondern vor allem die Stimme von Claus Angerbauer. Die kehlige, kraftvolle Rauheit erinnerte stark an Joe Cocker und passte hervorragend zum Genre. Besonders dann, wenn Claus Angerbauer mit seinem Organ gef�hlvoller wurde, stellten sich G�nsehauteffekte ein. Ganz deutlich zeigte dies "Cats in the Cradle", das vor einigen Jahren von Ugly Kid Joe gecovert worden war. Durch die kernige Aussprache wurde die Geschichte vom Rabenvater noch ber�hrender und intensiver. Die schwer zu treffende Figur vom reuigen Macho gelang bestens.